Leserbrief an GA Bonn betreffend 60Mio-Kredit und Schwimmevent Frankenbad

Hans-Jürgen Sperl                                                                                              Bonn, 28.11.2017
53175 Bonn

An die Redaktion des
Generalanzeiger Bonn
-Leserbriefe-
Sehr geehrtes Redaktionsteam,

zu ihren Artikeln “Bonn leiht sich 60 Millionen fürs Wasserland“ im Lokalteil Bonn Ihrer Ausgabe vom 25.11.2017 und “Rebecca Dany … – 588 Schwimmer Beim Jugendfestival im Frankenbad“ im Sportteil Ihrer Ausgabe vom 27.11.2017 möchte ich Sie bitten, nachfolgenden Leserbrief in einer Ihrer nächsten Ausgaben zu veröffentlichen.

In dem Artikel “Bonn leiht sich 60 Millionen fürs Wasserland“ berichtet Andreas Baumann darüber, dass OB Ashok Sridharan, Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Weckenbrock und die Ratskoalition von CDU, FDP und Bündnis 90/Grüne das neue Bad im Wasserland wollen und dafür die Stadt (nicht die den Bau durchführenden Stadtwerke!) einen 60-Millionen Kredit aufnehmen will.

Dies erfolgt meines Erachtens alles auf der Grundlage einer Reihe von noch offenen, äußerst fraglichen und diffusen Planungsgrundlagen: Das dem Projekt zugrundeliegende Finanzierungsmodell des “steuerlichen Querverbundes“ ist nicht geklärt; es werden Besucherzahlen von 420.000 gegenüber bisher ca. 200.000 bei teilweise deutlich erhöhten Eintrittspreisen unterstellt; es werden (höchst fragliche) steigende Gewinne der Stadtwerke prognostiziert. Und das alles auf der Basis eines noch nicht beschlossenen Bebauungsplans im Wasserland, der selbst mit vielen großen Problemen behaftet ist: u.a. die problematische Verkehrssituation an der Schranke Dottendorfer Straße, die überlangen An- und Rückfahrzeiten für das Schulschwimmen aus Bonn Nord und Bad Godesberg Süd, die Verletzung der wichtigen Nord-Süd-Frischluftschneise.

Angesichts der Finanzprobleme unserer Stadt insbesondere durch das WCCB, die Renovierung von Beethovenhalle, Oper, Stadthalle und Kammerspiele ist es für mich unverständlich, dass der OB unserer Stadt und die ihn unterstützende Koalition aus CDU, FDP und Bündnis 90/Grüne im Stadtrat für ein Wolkenkuckucksheim in eine neue Schuldenfalle mit einem Ausmaß von weit über 60 Millionen Euro tapsen wollen. Die Zeche haben am Ende die Bonner/innen durch steigende Steuern zu zahlen. In diesem Fall kann sich von den Verantwortlichen später niemand damit entschuldigen, sie/er wäre von einem Betrüger hinters Licht geführt worden.

Erstaunt war ich in diesem Zusammenhang, als ich in Ihrer Ausgabe von Montag, dem 27.11.2017, früh morgens im Sportteil in einem euphorischen Artikel über ein Jugendfestival im Frankenbad las, dass der Schwimmwettkampf „…einen ausgezeichneten Ruf genießt und zu den beliebtesten Kurzbahnveranstaltungen auf der 25-m-Bahn in ganz Europa gehört“ und „einen organisatorischen Level erreicht, der internationalen Meisterschaften gleicht“. Ich dachte zuerst, die Redaktion hätte irrtümlich einen vor zehn oder mehr Jahren geschriebenen Artikel wieder veröffentlicht, da sie doch in Artikeln der jüngeren Vergangenheit wiederholt den maroden Zustand dieses Bades hervorgehoben hat.  Nein, es handelte sich tatsächlich um einen aktuellen Artikel, dessen Inhalt ich als langjähriger Schwimmer in diesem beliebten Bonner Hallenbad voll unterstreichen kann.

Ich frage mich deshalb: Warum um jeden Preis ein neues Bad mit erheblichen Risiken bauen? Behalten wir doch unsere vorhandenen Bäder und pflegen sie redlich. Das wäre ein notwendiger Beitrag zur Daseinsvorsorge, zu der auch die Möglichkeit gehört, in erreichbarer Nähe Schwimmen gehen zu können. Dafür zahlen die Bonner Bürger/innen doch an die Stadt Steuern und Abgaben.

Es sei daran erinnert, dass die Bonner Bäderlandschaft vor nicht allzu langer Zeit in Deutschland noch als vorbildlich galt.

Hans-Jürgen Sperl, Bonn